Hook
Als Marlenes Mann stirbt, kündigt ihr niemand offiziell — aber die Supermarktkette EDEKAmax schickt ihr eine Beileidskarte mit 500 Bonuspunkten, drei Tage bevor sein Herz stehen bleibt. Der Algorithmus wusste es vor dem Arzt.
Eskalation
- Marlene ruft die Hotline an, um herauszufinden, WARUM sie kondoliert wurde — und erfährt, dass die Karte automatisch ausgelöst wird, wenn ein Kunde still auf 'palliative Warenkorbmuster' umstellt: weiche Nahrung, mehr Schmerzmittel, weniger Vorratspackungen. Ihr Mann hatte den Ausdruck verheimlicht, aber die Karte nicht.
- Sie beginnt, die Karte ihres Mannes weiterzubenutzen, um seine letzten Wochen zu rekonstruieren — jeder Einkauf ein Tagebucheintrag, den er nie schrieb: die Blumen für eine fremde Adresse, das Kinderfahrrad, die zwei Zahnbürsten.
- Der 'Kundenbindungsmanager' Herr Voss taucht persönlich auf, nicht um zu trösten, sondern weil Marlenes Trauer-Kaufverhalten die Prognosemodelle stört — eine Witwe, die Todeszeitpunkte vorhersagen kann, ist ein Datenleck mit Beinen.
- Marlene kapert die Prognose selbst: Sie füttert die Karte gezielt mit Mustern, um für andere Familien Beileidskarten auszulösen — Frühwarnungen, getarnt als Werbung, verschickt an Menschen, die noch nicht wissen, dass sie sich verabschieden müssen.
✦ Twist
Die letzte Karte, die das System ausspuckt, trägt Marlenes eigenen Namen — mit Bonuspunkten und dem Datum in drei Tagen. Sie legt die Karte auf den Tisch, holt zwei Zahnbürsten aus dem Schrank, und wartet darauf, dass der Fahrradladen öffnet.
💡 Die Engine ist dramatische Ironie durch Daten: Der Konzern kennt die intimsten menschlichen Wahrheiten früher als der Mensch selbst, und Zärtlichkeit wird zur Ware im selben Atemzug wie zur Bedrohung.