In der Stadtbibliothek von Rostock taucht ein zurückgegebenes Buch auf, dessen Ausleiher laut Datenbank seit vier Jahren tot ist — und im Buch klebt ein frischer Kassenbon von gestern, aus dem Bäckerladen gegenüber.
Der Bibliotheksausweis gehört nicht dem Toten, sondern dem Gebäude selbst: Die Bibliothek 'leiht' Lebenszeit aus, wie sie Bücher verleiht, und der alte Herr ist der letzte Leser, der seine Frist nie beglichen hat — Merle kann ihren Namen nur austragen, indem sie das überfällige Buch zurückbringt, das er nie zurückgab: sein eigenes Leben.
💡 Die vertraute Bibliotheks-Bürokratie aus Fristen, Mahnungen und Ausleihhistorie wird zur wörtlichen Buchhaltung über Leben und Tod.