Die Strecke durch Kleinwiesen ist seit 2009 stillgelegt, aber jemand hat vergessen, Stellwerker Jens Ohlsens Planstelle zu streichen. Seit fünfzehn Jahren sitzt er jede Nacht im Stellwerk. Laut einem nie aktualisierten Fahrplan fährt um 3:07 Uhr der Nachtzug D 1407 durch. Damit das System keinen Fehler meldet, tippt Jens jede Nacht: „Zug durchgefahren, pünktlich.“
Der Inspektor stellt sich als Rüdiger Kamps vor, Stellwerker im nächsten Ort an der Strecke. Auch dort wurde seine Stelle nie gestrichen, und auch er meldet seit fünfzehn Jahren jede Nacht: „D 1407 aus Kleinwiesen eingetroffen.“ Nach und nach melden sich alle neun Stellwerke der toten Strecke. Neun Männer und Frauen in neun Nachtschichten haben sich gegenseitig einen Zug bestätigt, den es nicht gibt. Jeder hielt die Lüge für seine eigene, und jeder hat sie nur durchgehalten, weil der Nachbar zurückmeldete. In der letzten Nacht vor der Prüfung schieben sie zusammen eine alte Draisine auf die Gleise und sammeln die Wartenden an jedem Bahnsteig ein. Um 3:07 Uhr fährt der D 1407 zum ersten Mal wirklich durch Kleinwiesen, mit zwei Minuten Verspätung, damit es echt wirkt.
💡 Die Geschichte lebt davon, dass eine Lüge, die keiner überprüft, sich durch Daten, Geld und Menschen immer weiter verfestigt, bis sie wahr werden muss. Dass alle Nachtarbeiter einander nie begegnen, ist dabei zugleich das Rätsel und seine Lösung.