Beim 20-jährigen Klassentreffen des Abijahrgangs 2004 legt das „Orga-Team“ die alte Abizeitung auf jeden Tisch. Alle stürzen sich auf die Rubrik „Wer wird am ehesten …?“. Das Unheimliche: Jede Vorhersage hat sich erfüllt. „Am ehesten zweimal dieselbe Frau heiraten“: Marco, stimmt. „Am ehesten Bürgermeister in einem Dorf ohne Ampel“: Dennis, stimmt. „Am ehesten Veganerin mit Metzgerei“: Kathrin, stimmt auch.
In der echten Abizeitung hat die Rubrik nur einen einzigen bösen Eintrag: „Am ehesten vergessen: Julia Brandt“. Den hatte Svens Clique ihr damals verpasst. Erst jetzt begreifen alle, dass Julia den ganzen Abend unter ihnen war. Sie hat die Getränke organisiert, mit allen über Kinder und Kredite geplaudert und die Namensschilder ausgegeben. Erkannt hat sie keiner. Für die gefälschte Ausgabe hat sie Insolvenzregister, Facebook-Profile und Hochzeitsanzeigen durchsucht. Jede ihrer Vorhersagen ist eingetroffen, auch die erste: Ein Jahrgang, der sich mit ihr nie beschäftigt hat, beschäftigt sich jetzt einen ganzen Abend nur mit ihr. Und sie hat recht behalten. Als Sven endlich aufsteht und sich entschuldigt, wendet er sich an die falsche Frau.
💡 Die Geschichte nutzt die Urangst jedes Klassentreffens, dass die anderen genau wissen, was aus einem geworden ist. Sie dreht das um und lässt das ganze Rätsel von der einen Person lösen, die nie jemand angeschaut hat.