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Tragikomödie / Roadmovie auf Schienen 2026-10-07

Gerdas Schlafwagen

Hook

Gerda Pohl, 71, pensionierte Fahrdienstleiterin, kann seit dem Tod ihres Mannes nur noch im Nachtzug Berlin–Zürich schlafen. Jeden Dienstag fährt sie hin, jeden Donnerstag zurück, Liegewagen 264, Platz 61. Dann streicht die Bahn die Verbindung zum Fahrplanwechsel.

Eskalation
  1. Gerda verkauft ihre Wohnung in Lichtenberg und ersteigert bei einer Ausmusterung einen ausrangierten Schlafwagen von 1983. Erst danach fällt ihr auf, dass ein Wagen ohne Lok einfach rumsteht.
  2. Mithilfe alter Kollegen aus dem Stellwerk lässt sie ihren Wagen nachts hinten an Güterzüge kuppeln. Wohin es geht, ist egal. Sie schläft wie ein Stein und wacht morgens zwischen Containern in Duisburg, Verona oder Poznań auf.
  3. Es spricht sich herum. Schichtarbeiterinnen, frischgebackene Eltern, ein Chirurg mit Tinnitus und ein schlafloser Teenager zahlen ihr 30 Euro pro Nacht. Gerda kauft einen zweiten Wagen dazu. Die Lokführer der Güterzüge fangen an, besonders weich zu bremsen, weil sie wissen, dass hinten Leute schlafen.
  4. Das Eisenbahn-Bundesamt stuft die Sache als nicht genehmigten Personenverkehr ein. Beide Wagen werden auf einem Abstellgleis in Hamm stillgelegt, bis das Verfahren durch ist. Die Fahrgäste wollen nicht gehen und ziehen trotzdem ein.
✦ Twist

Die erste Nacht im stehenden Wagen. Gerda liegt wach und rechnet fest damit, dass es jetzt wieder losgeht mit der Schlaflosigkeit. Um 23:40 schläft sie ein. Es war nie das Rattern der Gleise. In Abteil 3 schnarcht der Chirurg genau im Takt ihres verstorbenen Mannes, und das hat er vermutlich in jeder der vierzig Nächte getan.

💡 Eine ganz körperliche Macke wächst Schritt für Schritt zu einer ganzen Institution heran, und am Ende stellt sich heraus, dass Gerda die ganze Zeit das Falsche gesucht hat. Die Trauer war von Anfang an im Wagen, sie hatte nur einen anderen Rhythmus.

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